Home Genuss “Enoteca Maria”: Essen wie bei Oma: In diesem New Yorker Restaurant kochen Großmütter aus der ganzen Welt

“Enoteca Maria”: Essen wie bei Oma: In diesem New Yorker Restaurant kochen Großmütter aus der ganzen Welt

Von

In New York gibt es viele Restaurants – doch dieses zählt zu den ungewöhnlichsten: Im “Enoteca Maria” hat jeden Abend eine andere Großmutter aus der ganzen Welt das Kommando über die Küche.

Auch wenn man mittlerweile in jeder Großstadt Gericht aus beinahe allen Regionen der Welt essen kann – bei Oma schmeckt es doch immer noch am besten. Das mag mit Kindheitserinnerungen zusammenhängen, vielleicht aber verpassen die Geheimrezepte der Großmutter dem Essen auch den letzten kulinarischen Schliff. Deshalb stehen in dem New Yorker Restaurant “Enoteca Maria” auch nur Omas am Herd.

Das Lokal liegt in Staten Island, dem südlichsten Stadtbezirk von New York, und verfolgt ein ganz besonderes Konzept. Eigentlich handelt es sich um ein italienisches Restaurant, deshalb ist die Hälfte der Speisekarte auch mit italienischer Küche gefüllt. Der Rest variiert täglich – je nachdem, wer gerade kocht. Und das sind keine ausgebildeten Köche, sondern jeden Tag eine andere Großmutter aus der ganzen Welt.STERN PAID 19_22 Einfach Essen Rezept: Fleischschnacka Konkurrenz aus dem Elsass13.00

“Enoteca Maria” in New York: Nonnas aus der ganzen Welt kochen

Und die haben ihre Wurzeln wirklich in der ganzen Welt, in Europa, Asien, Afrika oder Südamerika. Die “Nonnas” sind längst eine Institution, auch wenn die Gäste sich nie ganz sicher sein können, was an diesem Tag auf der Speisekarte steht. Manche Leute reservieren sogar aus dem Ausland einen Tisch, bevor sie nach New York reisen.facebook

Das Restaurant gehört Joe Scaravella, der aus einer italienischen Einwandererfamilie stammt. Als seine Mutter, seine Oma und seine Schwester kurz hintereinander starben, kam ihm die Idee für das Konzept mit den wechselnden Küchenchefinnen. “Nachdem ich all diese matriarchalen Figuren in meinem Leben verloren hatte, wollte ich versuchen, das wiederzuerschaffen: die Oma, die am Herd kocht”, erzählte er 2017 der “New York Times”. Für Scaravella war das Restaurant ein Versuch, in seiner Trauer Trost zu finden, deshalb benannte er das Lokal nach seiner Mutter.

Zunächst überließ er die Küche nur italienischen Großmüttern, die sich auf eine Zeitungsanzeige meldeten. Ab 2015 wurde die Karte internationaler. Scaravella sieht in der Vielfalt ein großes Plus: Unter den Italiener:innen habe es auch Eifersucht gegeben, Konkurrenz um die beste Lasagne oder andere Gerichte. Jetzt können in dem Restaurant jeden Tag kulinarische Ausflüge in ganz unterschiedliche Gegenden der Welt unternommen werden. Viele der Omas kochen nach jahrzehntealten Familienrezepten. Laufend bewerben sich Frauen, oft über die E-Mail-Adressen ihrer Söhne und Töchter.Comfort Food_17.17

Gefährdet in der Corona-Zeit

Während der Corona-Pandemie hatte das “Enoteca Maria” wie viele andere Restaurants schwer zu kämpfen – oder vielleicht noch mehr, da die meisten der Köchinnen zur Covid-19-Risikogruppe gehörten. Das Lokal musste schließen, einerseits aufgrund des Lockdowns, andererseits, um die Großmütter vor Infektionen zu schützen. Doch viele der Omas kochten einfach weiter: Sie versorgten unter anderem das Personal in Gesundheitseinrichtungen mit Essen oder produzierten Soßen aus ihren Heimatländern zum Mitnehmen, die Sacaravella dann verkaufte.

Im August vergangenen Jahres konnte das Restaurant dann wieder öffnen, weil die älteren Damen geimpft waren. Als erstes durfte eine Großmutter aus Sri Lanka die Oberhand in der Küche übernehmen. Mittlerweile läuft der Betrieb wieder auf Hochtouren in dem Lokal, das als eines der originellsten in New York gilt.

Quellen:  “The New York Times” / “The City” / Enoteca Maria

VERWANDTE BEITRÄGE