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Elektroauto mit Sonnen-Antrieb: Sono Motors und Lightyear: Das Scheitern der Solarautos 

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Sono Motors und Lightyear: Beide wollen mit einem Solarauto lange Ladezeiten und Reichweitenprobleme zur Vergangenheit machen. Ihre Pläne stehen allerdings auf der Kippe. Die solarbetriebenen Elektroautos drohen, zu scheitern.

“Wir sind gescheitert”, sagte Laurin Hahn, Mitgründer und CEO von Sono Motors Anfang Dezember vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Er sprach von dem Vorhaben seines Unternehmens, mit dem Sion ein Solarauto in Serie zu produzieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reagierten sichtlich schockiert auf die Worte ihres Chefs, wie ein auf YouTube veröffentlichtes Video zeigte. Der Grund für den Misserfolg des Start-ups? “Wir haben es nicht geschafft, genug Geld aufzubringen”, so Hahn weiter. Vielleicht sei dies das Ende des Projekts Sion. Schließlich gab der CEO zu: “Wir haben definitiv Fehler gemacht. Wir haben die Komplexität vielleicht unterschätzt.”

Dabei klang der Plan des Münchener Unternehmens, das drei Freunde 2016 gründeten, durchaus vielversprechend: Der Bau eines Elektroautos, welches die benötigte Energie durch in die Karosserie integrierte Solarzellen nutzt. Eine 54-kWh-Batterie sollte demnach eine Reichweite von bis zu 305 Kilometern bringen, wobei durchschnittlich 112 Kilometer pro Woche aus reiner Solarenergie gewonnen werden sollten.Chinas Elektroauto-Markt 11.36

Sono Motors startet letzte Rettungsversuch

Sono Motors startete vergangenen Monat einen letzten Rettungsversuch mit einer Frist von 50 Tagen bis Ende Januar. Denn es könne “nicht der Weg sein”, einen Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu entlassen, die Firma zu restrukturieren und die Entwicklung des Sion einzustellen, wie Berater empfohlen hätten. Die Münchener begannen eine Kampagne, bei der sie ihre Fan-Community um Gelder bitten. Zudem haben sie den Hashtag “Savesion” erstellt und rufen in den sozialen Medien zur finanziellen Unterstützung auf. 

Am Montag teilte Sono Motors auf Facebook mit, in fortlaufenden Gesprächen mit Investoren zu sein. Wenige Stunden später hieß es dann: “Nur noch drei Tage!” Am Folgetag schrieb das Unternehmen: “Der Sion muss auf die Straße! Schließe dich unserer Community an und kämpfe für den Sion.” Sono Motors rief dazu auf, Kaufanzahlungen für den 29.900 Euro teuren Sion zu leisten, welche dem Unternehmen frische Gelder einbringen sollen. Eine Reservierung des Fahrzeugs ist ab 500 Euro möglich, es werden aber auch deutlich höhere Geldbeträge angenommen. So bietet Sono Motors etwa bei Anzahlungen über 6000 Euro an, die Zahlung in drei Teilbeträge aufzuteilen.Facebook-Post Sono Motors

330 Millionen Euro hat das Start-up in der Vergangenheit bereits eingesammelt. Bis zum 16. Januar gingen nach Unternehmensangaben über 44.000 Fahrzeugreservierungen ein. Damit habe das Sono Motors in den vergangenen Wochen Zahlungszusagen von Kunden in Höhe von mehr als 40 Millionen Euro erhalten. Es fehlten aber noch knapp 105 Millionen, wie das “Manager Magazin” berichtet. Es sieht also nicht gut aus für den Traum vom Solarauto Sion. Und es ist nicht das erste Mal, dass der Sion zu scheitern droht. Ursprünglich sollte das Fahrzeug im Jahr 2019 in die Serienproduktion gehen, doch auch damals stand das Unternehmen vor dem Aus – genauso wie zwei Jahre später. Sono Motors verschob den Starttermin der Serienproduktion immer um ein Jahr. Inzwischen hat sich auch der Kaufpreis fast verdoppelt.

Lightyear stellt Produktion von erstem Modell ein

Auch das niederländische Unternehmen Lightyear steht mit seinen Plänen, ein Elektroauto mit integrierten Solarzellen auf den Markt zu bringen, nicht besonders gut da. Am Montag teilte das Start-up mit, dass man die Produktion des ersten Fahrzeugs 0 habe einstellen müssen. Man habe beschlossen, “unseren Fokus und unsere Ressourcen vollständig auf das Lightyear 2 zu lenken”, heißt es in einer Pressemitteilung. Schließlich wolle man sich auf die Entwicklung des 2 konzentrieren, welches ein “erschwingliches Solar-Elektrofahrzeug für ein breiteres Publikum” sein soll. Es soll zu einem Kaufpreis von unter 40.000 Euro auf den Markt kommen.

Dabei hatte Lightyear neulich mit der Auslieferung einer Kleinserie des rund 300.000 Euro teuren Solarautos 0 begonnen. Eigentlich sollten fast 950 Einheiten vom Band rollen, doch es blieb bei einer Handvoll produzierter Fahrzeuge. Das ebenso wie Sono Motors im Jahr 2016 gegründete Unternehmen hat Zahlungsaufschub für Atlas Technologies BV gestellt; die Betriebsgesellschaft ist für die Produktion von Lightyear 0 verantwortlich.

Die Hoffnung liegt nunmehr also auf dem 2. Dazu holte sich Lightyear den ehemaligen Audi-Einkaufsvorstand Bernd Martens als Leiter des operativen Geschäfts (COO) ins Haus, wie Anfang Dezember bekannt wurde. Er solle den Übergang von der Produktion des 0 zum Design und zur Produktion des Massenmarktmodells 2 strategisch unterstützen. Das zweite Modell des Unternehmens soll “den kleinsten Energieverbrauch auf dem Markt haben und aufs Jahr gesehen dreimal weniger geladen werden müssen als ein herkömmliches Elektrofahrzeug. Die maximale Reichweite geben die Niederländer mit 800 Kilometern an, wenn diese auch lang nicht ausschließlich aus der Solarenergie kommen sollen. Denn: “Für kurze und mittlere Fahrten könnte sich Lightyear 2 sogar ohne Steckdose in Sichtweite halten”, liest es sich auf der Webseite. Die Serienproduktion soll nach derzeitigen Angaben Ende 2025 starten.

Unternehmen halten an Produktionsplänen fest

Laut CEO und Mitbegründer von Lightyear, Lex Hoefsloot, hätten sich bereits mehr als 40.000 Einzelkunden kostenfrei auf eine kürzlich gestartete Warteliste eingetragen. Zudem sollen bereits etwa 20.000 Vorbestellungen von Flottenbesitzern eingegangen sein. Das Unternehmen hat rund 210 Millionen Euro von Investoren erhalten, für neue Fahrzeugprojekte sind in der Regel aber Milliardenbeträge nötig.Sono Motors Sion 20.00

Auch Sono Motors benötigt weiteres Geld. Das Münchener Unternehmen hält sich jedoch die Option offen, seine Kampagne zu verlängern. Zwar sollte die Vorserienproduktion des Sion den Plänen zufolge im ersten Quartal 2023 starten, doch auch wenn es dazu nicht kommen wird, so hat man den Termin nun auf Sommer dieses Jahres verschoben. Für Anfang 2024 ist dann der Start der Serienproduktion angepeilt. Sollten die benötigten Gelder für die Projektfortführung nicht zusammenkommen, will Sono Motors trotzdem weitermachen – wenn auch nicht mit der Autoproduktion. Stattdessen will man sich dann auf das Geschäft als Solar-Zulieferer für Fahrzeughersteller konzentrieren. Das Unternehmen hat sich dafür eine Finanzierung in Höhe von knapp 1,5 Millionen Euro von der Europäischen Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt gesichert, wie es am Montag mitteilte.

Quellen: Sono MotorsYouTube, Capital, Manager Magazin, Lightyear

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